Experten-Insights zu KI im PPC-Marketing: Interview mit PPC–Manager Aleksei Tiutchev
KI im PPC-Marketing ist derzeit zweifellos ein großes Thema. Im PPC-Bereich finden rasante Entwicklungen statt, mit einer immer stärkeren Integration von KI-getriebenen PPC-Tools in Kampagnen- und Workflow-Management.
Deshalb haben wir uns entschieden, Aleksei Tiutchev zu interviewen, Peak Aces hiesigen PPC-Master (offiziell Manager), der Google- und Microsoft-Ad-Kampagnen für einige unserer größten Kund:innen betreut.
Indem er Fakten von Fiktion trennt, erklärt Aleksei, worauf es beim Thema KI im PPC-Marketing wirklich ankommt, worauf man im Markt achten sollte und welchen Stimmen man folgen sollte, um PPC-News zu verfolgen.
KI im PPC-Marketing: Transformationen, Workflows und Prognosen
Welche Vorteile bieten sich Dir durch KI im PPC-Marketing derzeit?
KI verändert PPC sehr stark, und Performance Marketing ist einer der Bereiche, in denen dieser Wandel besonders schnell stattfindet.
Der offensichtlichste Vorteil ist Geschwindigkeit – insbesondere in Bereichen wie der Erstellung von Anzeigentexten oder der Ideenfindung. Der tatsächliche Einfluss geht jedoch darüber hinaus.
Einer der größten Vorteile, den ich sehe, ergibt sich aus der Integration in Workflows. Wenn KI mit realen Datenquellen verbunden ist, zum Beispiel über API-Verbindungen zu Google Ads, entwickelt sie sich von einem Schreibassistenten zu einer analytischen Ebene. Anstatt manuell durch Interfaces zu navigieren, Reports zu exportieren und Daten zu bereinigen, wird es möglich, strukturierte Informationen direkt abzurufen und sofort mit der Interpretation zu beginnen. Das reduziert Reibung in der täglichen Arbeit und ermöglicht es, mehr Zeit auf Entscheidungsfindung statt auf Datenbeschaffung aufzuwenden. Und das ist nur ein einziges Beispiel. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.
KI ersetzt keine Expertise, aber sie erhöht die Hebelwirkung, besonders dann, wenn sie in strukturierte Workflows integriert ist.
Wie nutzen die besten PPC-Marketer:innen KI-Tools in ihren Workflows?
Die stärksten PPC-Marketer:innen nutzen KI nicht als Abkürzung, sie integrieren sie in Systeme.
Anstatt sich auf Ein-Zeilen-Prompts zu verlassen, definieren sie klare Aufgaben, strukturierte Inputs und Einschränkungen. Sie verbinden KI mit zuverlässigen Datenquellen und nutzen sie unter anderem zur Unterstützung wiederkehrender analytischer Prozesse, zur Keyword-Exploration, zur Testplanung und zur Performance-Zusammenfassung.
Der bewusste Einsatz ist der wichtigste Faktor bei der Entwicklung von Workflows. KI-Output ist nur so gut wie der Input, das heißt Kontext, Datenqualität und klar definierte Ziele. Die Besten verstehen das und gestalten ihre Workflows entsprechend.
Gibt es auch Nachteile bei der zunehmenden Verbreitung von KI im PPC-Marketing? Worauf sollten wir achten?
Es gibt definitiv Risiken, wenn KI missverstanden wird.
Ein Risiko ist Übervereinfachung. KI-Outputs sind fließend und selbstbewusst formuliert, was ein falsches Gefühl von Zuverlässigkeit erzeugen kann. Im PPC arbeiten wir innerhalb komplexer Systeme, wie Margen, Attributionsmodellen, Saisonalität, Signalqualität und geschäftlichen Prioritäten. Wenn diese Rahmenbedingungen nicht klar definiert sind, arbeitet KI ohne den notwendigen Kontext.
Ein weiteres Risiko ist oberflächliche Nutzung: KI ausschließlich für die Erstellung von Anzeigentexten zu verwenden, erschließt nur einen kleinen Teil ihres Potenzials. Gleichzeitig ist es unrealistisch zu erwarten, dass vollständig autonome Systeme komplexe Accounts eigenständig verwalten, ohne entsprechende Data Engineering-Strukturen und Monitoring.
Schließlich besteht das Risiko einer Erosion von Fähigkeiten. Automatisierung sollte strukturiertes Denken unterstützen, nicht ersetzen. Eine starke Grundlage in Tracking, Account-Struktur und Business-Logik bleibt essenziell.
KI verstärkt Inputs. Wenn das zugrunde liegende System schwach ist, skaliert Automatisierung diese Schwäche.
Die Zukunft des PPC-Marketings
Was sind heute einige der größten Herausforderungen und Chancen im PPC-Marketing?
Eine der größten Herausforderungen ist zunehmende Automatisierung bei gleichzeitig abnehmender Transparenz. Plattformen sind leistungsfähiger als je zuvor, aber Leistungsänderungen zu diagnostizieren kann komplexer sein.
Die Rolle hat sich von manueller Optimierung hin zu systemischem Denken verschoben. Zu verstehen, wie Signale durch automatisierte Systeme fließen – von Tracking und Dateneingaben bis zu Bidding-Logik und Audience-Signalen – ist entscheidend.
Gleichzeitig entsteht daraus eine Chance. PPC-Professionals, die verstehen, wie man strukturierte Umgebungen gestaltet, sauberes Tracking aufrechterhält und automatisiertes Verhalten interpretiert, werden deutlich wertvoller.
KI reduziert den Bedarf an Expertise nicht. Sie erhöht ihre Bedeutung.
Hast Du „Hot Takes“ zu aktuellen PPC-Entwicklungen?
Eine Beobachtung ist, dass Automatisierung selbst nicht das Problem ist, das Missverständnis von Automatisierung ist es.
Es gibt eine Tendenz, automatisierten Systemen entweder zu sehr zu vertrauen oder ihnen die Schuld zu geben, wenn sich Performance verändert. In der Realität arbeitet Automatisierung innerhalb definierter Rahmenbedingungen und Signale. Schwaches Tracking, unklare Ziele oder schlechte Struktur führen unabhängig vom Algorithmus zu instabilen Ergebnissen.
Eine weitere Beobachtung ist, dass KI-gestützte Generierung von Anzeigentexten bereits Gang und Gebe ist. Der Unterschied liegt zunehmend in Strategie, Positionierung und Systemdesign, nicht darin, einfach Varianten zu produzieren. Bewusste Implementierung bleibt der entscheidende Faktor.
Was sind Deine Prognosen für die nächsten sechs Monate bzw. das nächste Jahr im PPC-Marketing?
Ich erwarte, dass KI weniger ein Schlagzeilenthema sein wird und stärker zu einer Standardebene innerhalb von PPC wird.
Oberflächliche KI-Nutzung wird zum Standard werden. Der Wettbewerbsvorteil wird sich in Richtung strukturierter Integration verschieben, also KI mit realen Daten zu verbinden, wiederkehrende Analysen verantwortungsvoll zu automatisieren und hochwertige Signale aufrechtzuerhalten.
Die Qualität vom Tracking und klare Business-KPIs werden noch wichtiger werden. Mit zunehmender Automatisierung bestimmt der Input die Qualität der Ergebnisse.
Die Definition eines starken PPC-Professionals wird sich weiter in Richtung Systemdenken und Entscheidungsfindung unter Automatisierung entwickeln.
PPC-Newsletter und Thought Leader
Wem folgst Du gerne oder welche PPC-Newsletter liest Du?
Im PPC-Bereich verfolge ich besonders die Arbeit von Bob und Miles von PPC Mastery. Sie haben eine starke Community von Performance-Marketer:innen aufgebaut, die sich auf strukturiertes Denken, Experimentieren und langfristige Kompetenzentwicklung konzentriert. Ihr proaktiver Ansatz zur KI-Adoption – insbesondere rund um Agents, Workflows und systembasiertes Denken – ist besonders wertvoll.
Mike Rhodes hat über viele Jahre hinweg einen bedeutenden Beitrag zur PPC-Community geleistet. Mit seiner aktuellen Arbeit rund um „Ads to AI“ treibt er die Branche weiterhin voran, indem er untersucht, wie KI sinnvoll in Performance Marketing integriert werden kann. Sein Einfluss bei der Verbindung traditioneller PPC-Expertise mit moderner KI-Adoption ist schwer zu übertreffen.
Ich achte auch sehr auf die Arbeit von Alfred Simon rund um KI-Agents und Google-Ads-Data-Engineering.
Zusammenfassung: KI im PPC ist ein Assistent, keine Grundlage
- KI beschleunigt PPC-Workflows, insbesondere wenn sie über API-Integrationen mit Live-Datenquellen verbunden ist, statt nur als eigenständiges Schreibtool verwendet zu werden
- Die stärksten PPC-Marketer:innen integrieren KI in strukturierte Systeme mit klaren Inputs und Zielen, anstatt sie als schnelle Shortcuts zu nutzen
- Zu den wichtigsten Risiken gehören übermäßiges Vertrauen in KI-Outputs, oberflächliche Nutzung und der Verlust von Fähigkeiten, wenn Automatisierung strukturiertes Denken ersetzt statt unterstützt
- Zunehmende Plattform-Automatisierung reduziert die Transparenz und macht systemisches Denken sowie sauberes Tracking wichtiger denn je
- KI-generierte Anzeigentexte sind bereits Gang und Gebe — der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt in Strategie, Systemdesign und Datenqualität
- Im nächsten Jahr wird KI eher eine Standardebene im PPC sein als ein Differenzierungsmerkmal; strukturierte Integration und starke KPIs werden Top-Performer:innen definieren
Weitere Expert:inneninterviews zu Marketing & KI folgen bald!
Vielen Dank für deine Einblicke, Aleksei!
Wenn dir Alekseis Werdegang, die Entwicklungen im PPC-Marketing und die Art und Weise, wie KI das Marketing verändert, gefallen haben, dann schalte nächsten Monat wieder ein für ein weiteres Expert:inneninterview.
In dieser Reihe interviewen wir jeden Monat eine Expertin oder einen Experten aus verschiedenen Marketing-Bereichen – von SEO bis PPC – und beleuchten, was in ihrem Feld tatsächlich passiert, statt nur das, was auf LinkedIn Buzz erzeugt.
Expertenprofil: PPC Manager Aleksei Tiutchev
Aleksei Tiutchev ist PPC–Manager & Consultant bei Peak Ace. Er arbeitet seit über vier Jahren im PPC-Bereich und konzentriert sich hauptsächlich auf Google Ads und Microsoft Ads.
In dieser Zeit hat Aleksei in einer Vielzahl von Branchen und Geschäftsmodellen gearbeitet – von E-Commerce und Lead Generation bis zu SaaS, B2B und B2C. Zu seinen Verticals gehören unter anderem Landmaschinen, Life Sciences, Medizintechnik, Bildung, Reisen, Software und mehr. Er hat mit Unternehmen gearbeitet, die von Early-Stage-Startups bis zu großen internationalen Konzernen reichen, darunter auch S&P-500-Unternehmen.
